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Vom Schüler-Experiment zur Spitzenforschung in der Lasertechnologie

Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel zu Gast beim weltweit anerkannten UV-Experten: Laser-Laboratorium Göttingen

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Begrüßung im Laser-Laboratorium Göttingen

Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel hat am Mitt­woch, den 24. Oktober, gemeinsam mit dem Niedersächsischen Minister­präsidenten Christian Wulff das Laser-Laboratorium Göttingen (LLG), Hans-Adolf-Krebs-Weg 1, besucht. Das freie Technologietransfer-Institut über­brückt, erläuterte der Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Jürgen Troe bei der Begrüßung, den „großen Graben“ zwischen der reinen Laser-Grund­lagenforschung und der praktischen Anwendung. Troe hat das Institut 1987 gemeinsam mit dem Erfinder des Farbstofflasers, Fritz Peter Schäfer (Max-Planck-Gesellschaft) und dem Gründer der Göttinger Laser­firma Lambdaphysik, Dirk Basting, gegründet. Mit „tatkräftiger Unterstützung der Landesregierung“, so Troe mit Blick auf die Finanzierung eines Drittels des Jahresbudgets durch Hannover, kooperiert das LLG seit 20 Jahren im Bereich der angewandten Spitzenforschung mit vielen Instituten und Firmen in der Region und in aller Welt.

Troes Vorstandskollege Prof. Dr. Stefan Hell, Nachfolger von Prof. Schäfer, stellte den Gästen seine Weiterentwicklung des Lichtmikroskops vor. Mit ihr ist es gelungen, die so genannte Abbesche Grenze zu durchbrechen und die Begrenzungen durch die Wellenlänge des Lichts ein gutes Stück weit aufzuheben. Das stellt vor allem für die bio­medizinische Grundlagenforschung einen großen Durchbruch dar, da sich nur mit dem Lichtmikroskop lebende Zellen betrachten lassen. Für die innovative Laseranwendung im Bereich der Biophotonik hat Hell in 2006 von Bundespräsident Horst Köhler den Deutschen Zukunftspreis erhalten. Gemeinsam mit dem Geschäftsführer des Instituts, Prof. Dr. Gerd Marowsky, stellte Troe der Bundeskanzlerin bei einem Rundgang einige der aktuellen High-Tech-Projekte und -Produkte vor.

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Voll besetzter Hörsaal im Laser-Laboratorium

Über den Einsatz optischer Messtechnik zur Optimierung von Verbren­nungs­prozessen in Motoren sprach Dr. Volker Beushausen. Mit Laser­strahlen lassen sich die Prozesse durch ein Fenster hindurch berührungslos analysieren, führte Troe aus. Die Ergebnisse spielen bei der Entwicklung schadstoffarmer Motoren mit verringertem Kraft­stoffverbrauch (Drei-Liter-Auto) eine zentrale Rolle. Die Volkswagen AG arbeitet in diesem Bereich eng mit dem Laser-Laboratorium zusammen, sagte VW-Mitarbeiter (Forschung und Entwicklung) Dr. Werner Hentschel. Diese Station des Rundgangs erwies sich für die Bundeskanzlerin von be­sonderem Interesse. Die Physikochemikerin hat in den 80er Jahren selbst auf dem Feld der Reaktionskinetik geforscht und publiziert. Die Arbeiten von Troe, verriet sie, habe sie sich damals als Sonderdruck in die DDR schicken lassen. „Das war erlaubte Post aus dem Westen“, so die Wissenschaftlerin. Sie dankte den Göttingern dafür, damals viel für ostdeutsche Forscher getan zu haben.

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Dr. Volker Beushausen führt eine Meßsonde vor

Dr. Eva-Maria Neher, Leiterin des Göttinger Experimentallabors für junge Leute (XLAB), stellte den Gästen die Zusammenarbeit ihrer Einrichtung mit dem Laser-Laboratorium vor. Das LLG engagiert sich intensiv in der regionalen Bildungslandschaft und will, wie das XLAB, das Interesse von Jugendlichen an Naturwissenschaften und Technik wecken. Aus diesem Grund nahm das Laser-Laboratorium Anfang Oktober mit einem Versuchsaufbau zur Datenübertragung mit Licht an der für Schüler konzipierten IdeenExpo in Hannover teil. Die Aktivitäten im Bereich der Nachwuchsförderung fanden das besondere Lob Merkels. Der Fachkräftemangel im Bereich der Naturwissenschaften werde in den kommenden Jahren stark zunehmen. „In Göttingen wird es ein beherrschbares regionales Problem sein“, scherzte die Bundeskanzlerin und ergänzte: „Sie müssen sich aber weiter anstrengen, damit sie das Problem auch auf Bundesebene lösen.“

Dr. Klaus Mann, Leiter der Abteilung „Optik / Kurze Wellenlängen“, zeigte beim Rundgang eine Laborstrahlquelle, die mittels eines hochangeregten, laserinduzierten Plasmas Extrem-Ultraviolettes Licht erzeugt. Damit können sowohl messtechnische Anwendungen als auch grundlegende Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen EUV-Strahlung und Materie durchgeführt werden. Diese Arbeiten sind eingebunden in die Exzellenz-Initiative der Universität Göttingen und ihren neuen Sonderforschungsbereich (Sprecher Prof. Dr. Tim Salditt). EUV-Quellen könnten in den kommenden Jahren aber auch die lithographische Herstellung von Computerchips revolutionieren. Die Branche erhofft sich eine Steigerung der Leistungsfähigkeit von Halbleitern um den Faktor 15, führte Dr. Uwe Stamm aus. Der Physiker ist Geschäftsführer der im LLG-Gebäude ansässigen Firma Xtreme Technologies, die solche Quellen in großem Stil entwickelt.

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Dr. Klaus Mann zeigt die EUV-Laborstrahlquelle

Dr. Peter Simon, Leiter der LLG-Abteilung „Ultrakurzpuls-Photonik“, und Dr. Jürgen Ihlemann, Leiter der Abteilung „Nanostrukturen“, zeigten die Anwendung von Femtosekundenlasern bei der Herstellung von Nano­strukturen und Hologrammen. Diese sollen Zwei-Euro-Münzen fälschungs­sicherer machen. Ein entsprechendes Projekt hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) gefördert. Die Strukturen lassen sich auch auf hochwertigen Metallprodukten der Automobil- und Flugzeugindustrie sowie in der Medizintechnik auf­bringen. Sie würden dort helfen, Plagiate sofort zu erkennen. Minderwertige Nachbauten verursachen nicht nur finanzielle Einbußen bei den Markenherstellern, sondern stellen ein Sicherheitsrisiko dar. Die im LLG entwickelte Technik ist daneben auch für Designer interessant, die Ober­flächen anspruchsvoller Gegenstände veredeln möchten. Merkel und Wulff erhielten jeweils eine Münze, auf der unter dem Bundesadler ein Niedersachsenross eingraviert ist. Doktorand Jan-Hendrik Klein-Wiele erklärte beim Überreichen: „Wir begeben uns vertrauensvoll in Ihre Hände und hoffen, dass wir auch in Zukunft Spitzenforschung auf dem Gebiet der Lasertechnologie hier in Niedersachsen am Laser-Laboratorium erfolgreich und effizient durchführen können.“

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Jan-Hendrik Klein-Wiele erläutert das Verfahren zur Herstellung fälschungssicherer Münzen

Nicht auf dem Programm des Rundgangs stand der Bereich Umweltanalytik der LLG-Abteilung Photonische Sensorik, ihn stellte Geschäftsführer Marowsky kurz in Worten vor. Das LLG entwickelt Laser zur Analyse von Wasserproben. Mit ihnen lassen sich Kohlenwasserstoffe und andere problematische Substanzen in Fließgewässern schneller als bei land- und flugzeuggestützten Messverfahren nachweisen, so der Professor. Die Gäste zeigten sich bei einem Abschlussgespräch beeindruckt von der intensiven Zusammenarbeit des LLG mit Universitäten, Max-Planck-Instituten und der Wirtschaft. Ministerpräsiden Wulff sagte mit einem Blick auf die Fachfrau Merkel: „Ich bin es gewohnt, dass ich in der Universitätsstadt Göttingen die Antworten auf meine Fragen nicht verstehe. Heute habe ich das erste Mal nicht einmal die Fragen verstanden.“

Das Laser-Laboratorium, das 2004 sehr erfolgreich evaluiert wurde, beschäftigt derzeit 55 wissenschaftliche Mitarbeiter in 25 Projekten. Seit 1992 expandiert das Institut, das zwei Drittel seines Budgets in Form von Industrieaufträgen und Drittmitteln aus öffentlich geförderten Projekten selbst einwirbt, jährlich um bis zu zehn Prozent. Allein in diesem Jahr sind beim Institut acht neue Projekte mit einem Wert von 2,5 Mio. Euro und Industrieaufträge aus aller Welt in Höhe von mehr als 1 Mio. Euro eingegangen.

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Abschluss-Gespräch


Das LLG bedankt sich bei Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Christian Wulff für deren wohlwollenden Blick auf die bisherige und zukünftige Entwicklung des Laser-Laboratoriums.

(alle Fotos: Theodoro da Silva)

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Tel. 0551/503532